Mit der 2c im Schullandheim...

Ein Erfahrungsbericht

 

Begonnen hatte es bereits beim Abschlusspicknick der Klasse 1c letzten Sommer, als die Klassenlehrerin, Sonja Huber, uns Eltern fragte, ob wir mit einem Schullandheimausflug der Kinder in der zweiten Klasse einverstanden wären. Wenngleich eine Klassenfahrt mit Übernachtung für eine zweite Klasse noch etwas Ungewöhnliches ist, bekam Frau Huber von den Eltern breite Zustimmung. Die Kinder durften zu diesem Zeitpunkt noch nichts erfahren, da es vorher noch eine Menge Organisatorisches zu erledigen gab und der Überraschungseffekt erhalten bleiben sollte. Schließlich standen Termin und Ort fest. Zur Unterstützung der mitfahrenden Lehrkräfte wurden noch Eltern gesucht.
Ohne mir recht über die Konsequenzen bewusst zu sein, gab ich dem Wunsch meiner Tochter nach und sagte schließlich zu, als einziger Vater mitzufahren. Der Tag der Abreise rückte näher und ein geordneter Rückzug war nicht mehr möglich. Ein Glück, dass mit Sonja Huber und Barbara Wiesner zwei erfahrene Lehrkräfte die Klasse begleiteten.

 

Zum Teilnehmerkreis gehörten alle Kinder der Klassen 2a, 2b und 2c, 4 Lehrkräfte, 2 Mütter und 1 Vater. Da ein Bus für alle nicht ausgereicht hätte, kam die 2c in den Genuss eines eigenen Busses mit einem luxuriösen Platzangebot für alle.

  Die Hinfahrt verlief entspannt und kurzweilig. Nach der Ankunft hieß es erst mal die Koffer und Rucksäcke vom Parkplatz zum Haus zu bringen: 200 m Wegstrecke nur – aber einige Kinder hatten Gepäck, mit dem man wohl den Rest des Schuljahres im Schullandheim hätte verbringen können. 

Noch vor dem Mittagessen und dem Beziehen der Zimmer (die in weiser Voraussicht der Lehrer bereits in der Woche zuvor eingeteilt wurden) stand eine erste Erkundung der Umgebung auf dem Programm. Jetzt wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass das Hüten des sprichwörtlichen Sacks Flöhe leichter ist als eine zweite Klasse zusammenzuhalten. Während die einen mit Begeisterung den Lehrern folgten, gingen andere vehement ihre eigenen Wege oder veranstalteten Schneeballschlachten. Irgendwie gelang es dann doch mit allen zusammen ein Stück durch den Wald zu wandern und pünktlich zum Mittagessen zurück zu sein. 

Beim Mittagessen steigerten sich Mitteilungsbedürfnis und Aufregung der Kinder dann zu einer Lautstärke, die an die Atmosphäre in einem Fußballstadion während eines WM-Endspiels erinnerte (Die folgenden gemeinsamen Essen verliefen, dank der geschickten Interventionen der Lehrerinnen, deutlich ruhiger).

Nach dem Zimmerbelegen und Bettenbeziehen, was vor allem an den Betreuerinnen hängen blieb, wurde der Nachmittag dazu genutzt, aus Korken kleine Schiffe zu basteln, die am nächsten Tag der Isar übergeben werden sollten. Mit Begeisterung machten alle Kinder mit, zumal der Wunsch, den jedes Kind auf sein Segel schreiben konnte, ja auch in Erfüllung gehen sollte. Das Spielen und Herumtoben im Gruppenraum – der war mit vielen Kissen ausgestattet – stellte sich als besonders beliebt heraus. Konflikte blieben dabei natürlich nicht aus und so musste immer wieder geschlichtet und getröstet werden. Bewundernswert war, wie Sonja Huber und Barbara Wiesner in diesem Trubel stets die richtigen Worte fanden und wütende Kinder besänftigten, traurige trösteten und außenstehende in das Geschehen einbanden.

 

Nach dem Abendessen, das dank der Aussicht auf eine Belohnung deutlich ruhiger verlief als das Mittagessen, begannen die Vorbereitungen für die Nachtwanderung. Mit Stolz und Freude wurden die Taschenlampen ausgepackt und vorgeführt. Hier war von der Bergsteigerstirnlampe bis zum Halogenscheinwerfer, mit dem man das ganze Areal ausleuchten konnte, alles vertreten. Da hatten sich wohl einige Väter von ihren Spielzeugen trennen müssen. Durch das „Verkleiden“ der Taschenlampen mit buntem Papier entstand eine lustige bunte Lichterkette. Viele mutige Kinder wussten mit der Dunkelheit ganz professionell umzugehen: „Mit meiner Lampe leucht ich bis in den Himmel“. Ein paar ängstlichere mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. 

Nach einer kleinen Runde kamen alle an einem Baum an und postierten sich darum herum. Nun durften sie endlich das schon eingeübte Sternstundenlied singen und schließlich mit den Taschenlampen nach den im Schnee ausgelegten und im Licht funkelnden Sternen suchen. Ein paar ganz Mutige der 2c gingen dann noch mit auf eine kleine Erkundungstour durch den nächtlichen Wald. 

Als endlich wieder alle im Haus waren, wartete die nächste Herausforderung für die Lehrerinnen und Begleit-Eltern: Wie sollte es gelingen, die Kinder ins Bett zu bringen? Mit einigen Büchern bepackt zogen die Lehrerinnen von Zimmer zu Zimmer und sorgten dafür, dass jedes Kind seine Gutenachtgeschichte hörte. Besondere Aufmerksamkeit brauchten die Kinder, die nun von der spontanen Heimweherkrankung befallen wurden. Irgendwann kehrte dann Ruhe im Haus ein. Der von den Jungen geplante und angekündigte Überfall auf die Mädchen blieb aus – wahrscheinlich wegen zu großer Müdigkeit. Die war bei einigen Kindern schon nach ein paar Stunden wieder verschwunden, so dass bereits um sechs Uhr morgens ein lebhaftes Treiben am Gang herrschte.

 

Nach dem Frühstück fand die Wanderung zur Isar statt. Dort wurden die kleinen Korkenschiffe – meist schweren Herzens – auf zu Wasser gelassen. Eigentlich verwunderlich, dass nur eines der Kinder die Temperatur des Isarwassers testete und auch seine Schuhe „wasserte“. Zurück im Haus war Zeit zum Spielen und Herumtoben. Hierzu gehörte wohl auch, die Notrufnummer der am Haus stehenden Telefonzelle zu testen. Sie funktionierte! Nach Aussagen der zuständigen Geretsrieder Polizeistreife genau 23-mal. Nach einer kurzen Belehrung und Ermahnung der verständigen und netten Polizisten blieb dieses Spiel glücklicherweise folgenlos.

 

Die Zeit der Heimreise nahte. Da hieß es noch mit vereinten Kräften alles Gepäck möglichst wieder vollständig zusammenzupacken. Die Heimfahrt verlief ruhig, denn selbst die wildesten Kinder konnten jetzt ihre Müdigkeit nicht mehr verbergen.

Für mich bleibt die Erinnerung an zwei turbulente Tage und viele Eindrücke von den Kindern der zweiten Klassen. Dass jedes der Kinder mit seinem individuellen Entwicklungsstand und den unterschiedlichsten Neigungen eine Herausforderung darstellt, wurde mir hier erst richtig bewusst. Mein Respekt und Dank gilt daher den Lehrerinnen der 2ten Klassen, die sich diesen Herausforderungen mit einer tiefen Wertschätzung gegenüber jedem einzelnen Kind stellen.

 

  Franz Hölzl

Unterhaching im November 2001

 

                                                                                                             



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