Kleiner
Ratgeber für Eltern
1. Wie können
Sie Ihr Kind stärken?
Ihre Einstellung zur Leistungsfähigkeit
Ihres Kindes beeinflusst maßgeblich
seinen Glauben an seine Sebstwirksamkeit.
- Es muss fühlen, dass Sie Vertrauen
in seine Leistungsfähigkeit haben.
Sagen Sie beispielsweise: "Du brauchst
ein wenig länger als andere Kinder,
aber du schaffst es, wenn du nicht aufgibst."
- Ihr Kind braucht Anerkennung für
das, was es kann. Es braucht Verständnis
für das, was es nicht kann. Zeigen
Sie ihm auf, dass jeder Mensch Stärken
und Schwächen hat.
- Loben und belohnen Sie Ihr Kind für
kleinste Fortschritte. (Auch die Bereitschaft
zu üben, verdient schon viel Anerkennung).
2. Wie können
Sie Ihr Kind fördern?
Fördern bedeutet auch fordern, aber
nicht überfordern. Förderung
durch Eltern ist möglich, wenn die
Mutter/Vater/Kindbeziehung dadurch nicht
belastet wird, wenn beim Lernen:
- Anforderung statt Überforderung
- Ermunterung statt Entmutigung
- Lob statt Tadel
- Belohnung statt Strafe
zum Prinzip werden.
2.1. Hausaufgabensituation
Die meisten Legastheniker brauchen sehr
lange, bis sie ihre Hausaufgaben erledigt
haben. Hauptsächlich liegt es daran,
dass sie sehr langsam lesen und fehlerhaft
schreiben. Ihre Motivation ist entsprechend
gering.
Hilfestellungen:
- Zerlegen Sie die Hausaufgabe in viele
kleine Teile. Immer wenn Ihr Kind einen
Abschnitt erledigt hat, kontrollieren
Sie diesen und lassen Sie die Fehler
verbessern. Je schwerer Ihrem Kind die
Hausaufgaben fallen, umso kleiner sollten
die Einheiten sein.
- Lassen Sie Ihrem Kind auf keinen Fall
die Hausaufgaben noch einmal abschreiben,
wenn es viele Rechtschreibfehler gemacht
hat. Vorteilhafter ist es, nur einzelne
Wörter zu verbessern.
- Sie können Ihrem Kind gegebenenfalls
auch gezielte Lese- bzw. Schreiberleichterungen
geben, z. B. durch Vorlesen der Textaufgaben
in Mathematik.
- Besprechen Sie mit dem Lehrer, was
Sie tun können, wenn Ihr Kind mit
den Hausaufgaben nicht fertig wird (z.
B. Bemerkung im Heft).
2.2. Zusätzliche
häusliche Übungen
Dies ist individuell abzuwägen.
Einerseits ist das lese-rechschreibschwache
Kind durch die Hausaufgabensituation bereits
sehr ausgelastet, andererseits benötigen
Legastheniker, um Fortschritte zu erzielen,
erheblich mehr Lern- und Übungszeit
als im schulischen Unterricht geboten
werden kann.
Wenn Sie zusätzliche Übungen
durchführen, begrenzen Sie diese
zeitlich auf 10 Minuten am Tag.
2.2.1 Vorschläge
für Maßnahmen im Lesen
- täglich lesen, wenig aber regelmäßig
- Achten Sie auf spannenden Lesestoff,
beurteilen Sie diesen aber vorrangig
nach dem Schwierigkeitsgrad
- Das Buch sollte keine übermäßig
schwierigen Wörter enthalten.
- Die Buchstaben sollten möglichst
groß gedruckt sein.
- Es sollten viele Bilder vorkommen.
- Lesen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam
ein Buch.
2.2.2 Vorschläge
für Maßnahmen im Rechtschreiben
Sinnvoller als das Diktieren ganzer Texte
ist das Üben einzelner Wörter.
Bewährt hat sich hierbei insbesondere
die Lernkartei. Die Wörter werden
einzeln auf Karteikarten geschrieben und
in das 1. Fach der Kartei gelegt. An unterschiedlichen
Tagen werden einige Wörter diktiert.
Jedes richtig geschriebene Wort wandert
1 Fach weiter.
Wortauswahl:
- häufig vorkommende Wörter
(Grundwortschatz der Grundschule)
- individuelle Fehlerwörter des
Kindes
- die 100 häufigsten Fehlerwörter
(abgedruckt in der Broschüre von
Dr. Gero Tacke, siehe Literaturanhang
Grundsätze:
- Wortanzahl klein und überschaubar
halten (höchstens 10).
- Stoppen Sie sofort den Schreibprozess,
wenn ein Fehler auftritt.
- Bieten Sie immer die richtige Schreibung
an. (Falsch: vor schreibt man nicht
mit f, richtig: vor schreibt man mit
v)
- Jedes Wort mindestens 6x wiederholen
und dann alphabetisch einordnen. (Auch
diese Wörter nach bestimmter Zeit
wieder diktieren).
- Anfangs kurze, dann längere
Abstände zwischen den Wiederholungen.
3. Trainingsprogramme
Tacke, G., Mit Hilfe der Eltern: Flüssig
lesen lernen. Übungen, Spiele
und eine spannende Geschichte, Donauwörth:
Auer Verlag, 1998
Bände für die Klassen 1/2, 2/3
und 4/5 erhältlich.
Grundwortschatz und Transfertraining
(Gut, Version 1)
Computerprogramm, aufgebaut nach dem Prinzip
der Lernkartei
Bestelladresse: Computer & Lernen,
Im Eichelgarten 49, 76530 Baden-Baden
Schulte-Körne, G./Mathwig F.: Das
Marburger Rechtschreibtraining,
Verlag Dr. Dieter Winkler, Bochum 2001
Elterntrainingsprogramm mit Wirksamkeitsnachweis
(Evaluationsstudie)
gezielte Trainingsanleitung vonnöten
Anfragen können gerichtet werden
an:
PD Dr. Gerd Schulte-Körne, Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters, Philipps-Universität,
Hans-Sachs-Straße, 35039 Marburg
mailto: schulte1@post.med.uni-marburg.de
LRS-Förderprogramm LegaOptima
für besonders begabte Kinder mit
Lese- Rechtschreibschwierigkeiten, entwickelt
an der Unsiversität Münster
Elterntrainingsprogramm mit Wirksamkeitsnachweis
gezielte Trainingsanleitung vonnöten
Anfragen an:
Dr. Christian Fischer, Dipl. Psych.
Internationales Centrum für Begabungsforschung
- ICBF, Georgskommende 33, D-48143 Münster
mailto: CBF@uni-muenster.de
4. Literatur
Dr. Gero Tacke, Lese-Rechtschreibschwäche
- Diagnose - Ursachen - Fördermöglichkeiten
Landesinstitut für Erziehung und
Unterricht Stuttgart, Wiederholdsstr.
13, 70174 Stuttgart
Viele der unter 2.1 angeführten Maßnahmen
entstammen dieser Broschüre. Es enthält
auch eine Liste der 100 häufigsten
Fehlerwörter.
Naegele, I. (1995): Lese- Rechtschreibschwierigkeiten.
Vorbeugen - Verstehen - Helfen
Ein Elternhandbuch. Weinheim: Beltz Verlag.
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