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Lese-Rechtschreib-Störung: Ursachen - Symptomatik - Hilfen / Eva Wernhard

 

Kleiner Ratgeber für Eltern

1. Wie können Sie Ihr Kind stärken?

Ihre Einstellung zur Leistungsfähigkeit Ihres Kindes beeinflusst maßgeblich seinen Glauben an seine Sebstwirksamkeit.

  • Es muss fühlen, dass Sie Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit haben. Sagen Sie beispielsweise: "Du brauchst ein wenig länger als andere Kinder, aber du schaffst es, wenn du nicht aufgibst."
  • Ihr Kind braucht Anerkennung für das, was es kann. Es braucht Verständnis für das, was es nicht kann. Zeigen Sie ihm auf, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat.
  • Loben und belohnen Sie Ihr Kind für kleinste Fortschritte. (Auch die Bereitschaft zu üben, verdient schon viel Anerkennung).

2. Wie können Sie Ihr Kind fördern?

Fördern bedeutet auch fordern, aber nicht überfordern. Förderung durch Eltern ist möglich, wenn die Mutter/Vater/Kindbeziehung dadurch nicht belastet wird, wenn beim Lernen:

  • Anforderung statt Überforderung
  • Ermunterung statt Entmutigung
  • Lob statt Tadel
  • Belohnung statt Strafe

zum Prinzip werden.

2.1. Hausaufgabensituation

Die meisten Legastheniker brauchen sehr lange, bis sie ihre Hausaufgaben erledigt haben. Hauptsächlich liegt es daran, dass sie sehr langsam lesen und fehlerhaft schreiben. Ihre Motivation ist entsprechend gering.

Hilfestellungen:

  • Zerlegen Sie die Hausaufgabe in viele kleine Teile. Immer wenn Ihr Kind einen Abschnitt erledigt hat, kontrollieren Sie diesen und lassen Sie die Fehler verbessern. Je schwerer Ihrem Kind die Hausaufgaben fallen, umso kleiner sollten die Einheiten sein.
  • Lassen Sie Ihrem Kind auf keinen Fall die Hausaufgaben noch einmal abschreiben, wenn es viele Rechtschreibfehler gemacht hat. Vorteilhafter ist es, nur einzelne Wörter zu verbessern.
  • Sie können Ihrem Kind gegebenenfalls auch gezielte Lese- bzw. Schreiberleichterungen geben, z. B. durch Vorlesen der Textaufgaben in Mathematik.
  • Besprechen Sie mit dem Lehrer, was Sie tun können, wenn Ihr Kind mit den Hausaufgaben nicht fertig wird (z. B. Bemerkung im Heft).

2.2. Zusätzliche häusliche Übungen

Dies ist individuell abzuwägen. Einerseits ist das lese-rechschreibschwache Kind durch die Hausaufgabensituation bereits sehr ausgelastet, andererseits benötigen Legastheniker, um Fortschritte zu erzielen, erheblich mehr Lern- und Übungszeit als im schulischen Unterricht geboten werden kann.
Wenn Sie zusätzliche Übungen durchführen, begrenzen Sie diese zeitlich auf 10 Minuten am Tag.

2.2.1 Vorschläge für Maßnahmen im Lesen

  • täglich lesen, wenig aber regelmäßig
  • Achten Sie auf spannenden Lesestoff, beurteilen Sie diesen aber vorrangig nach dem Schwierigkeitsgrad
    • Das Buch sollte keine übermäßig schwierigen Wörter enthalten.
    • Die Buchstaben sollten möglichst groß gedruckt sein.
    • Es sollten viele Bilder vorkommen.
  • Lesen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam ein Buch.

2.2.2 Vorschläge für Maßnahmen im Rechtschreiben

Sinnvoller als das Diktieren ganzer Texte ist das Üben einzelner Wörter. Bewährt hat sich hierbei insbesondere die Lernkartei. Die Wörter werden einzeln auf Karteikarten geschrieben und in das 1. Fach der Kartei gelegt. An unterschiedlichen Tagen werden einige Wörter diktiert. Jedes richtig geschriebene Wort wandert 1 Fach weiter.

Wortauswahl:

  • häufig vorkommende Wörter (Grundwortschatz der Grundschule)
  • individuelle Fehlerwörter des Kindes
  • die 100 häufigsten Fehlerwörter (abgedruckt in der Broschüre von Dr. Gero Tacke, siehe Literaturanhang

Grundsätze:

  • Wortanzahl klein und überschaubar halten (höchstens 10).
  • Stoppen Sie sofort den Schreibprozess, wenn ein Fehler auftritt.
  • Bieten Sie immer die richtige Schreibung an. (Falsch: vor schreibt man nicht mit f, richtig: vor schreibt man mit v)
  • Jedes Wort mindestens 6x wiederholen und dann alphabetisch einordnen. (Auch diese Wörter nach bestimmter Zeit wieder diktieren).
  • Anfangs kurze, dann längere Abstände zwischen den Wiederholungen.

3. Trainingsprogramme

Tacke, G., Mit Hilfe der Eltern: Flüssig lesen lernen. Übungen, Spiele und eine spannende Geschichte, Donauwörth: Auer Verlag, 1998
Bände für die Klassen 1/2, 2/3 und 4/5 erhältlich.

Grundwortschatz und Transfertraining (Gut, Version 1)
Computerprogramm, aufgebaut nach dem Prinzip der Lernkartei
Bestelladresse: Computer & Lernen, Im Eichelgarten 49, 76530 Baden-Baden

Schulte-Körne, G./Mathwig F.: Das Marburger Rechtschreibtraining,
Verlag Dr. Dieter Winkler, Bochum 2001
Elterntrainingsprogramm mit Wirksamkeitsnachweis (Evaluationsstudie)
gezielte Trainingsanleitung vonnöten
Anfragen können gerichtet werden an:
PD Dr. Gerd Schulte-Körne, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Philipps-Universität, Hans-Sachs-Straße, 35039 Marburg
mailto: schulte1@post.med.uni-marburg.de

LRS-Förderprogramm LegaOptima
für besonders begabte Kinder mit Lese- Rechtschreibschwierigkeiten, entwickelt an der Unsiversität Münster
Elterntrainingsprogramm mit Wirksamkeitsnachweis
gezielte Trainingsanleitung vonnöten
Anfragen an:
Dr. Christian Fischer, Dipl. Psych.
Internationales Centrum für Begabungsforschung - ICBF, Georgskommende 33, D-48143 Münster
mailto: CBF@uni-muenster.de

4. Literatur

Dr. Gero Tacke, Lese-Rechtschreibschwäche - Diagnose - Ursachen - Fördermöglichkeiten
Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart, Wiederholdsstr. 13, 70174 Stuttgart
Viele der unter 2.1 angeführten Maßnahmen entstammen dieser Broschüre. Es enthält auch eine Liste der 100 häufigsten Fehlerwörter.

Naegele, I. (1995): Lese- Rechtschreibschwierigkeiten. Vorbeugen - Verstehen - Helfen
Ein Elternhandbuch. Weinheim: Beltz Verlag.

 

zusammengestellt von Frau Eva Wernhard - Förderlehrerin

 

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